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Wasserstechen mit Jazz und indischer Musik
am 8.2. 2003 in der Neuen Tonne in Dresden

mit Beate Gatscha,Gert Anklam, Uli Moritz


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er... Und wie sie erzählen konnten - und zwar auf ihre erzmusikantische Weise! Saxofonist Gert Anklam, Tänzerin und Perkussionistin Beate Gatscha und Trommelmeister Uli Moritz! Anklam, zumindest in Dresden bisher eher als Baritonsaxofonist mit Hang zu Free Jazz und Neuer Musik bekannt, bereiste gemeinsam mit Beate Gatscha vor einiger Zeit für mehrere Monate Indien, beide besuchten dort die Maharaj Sayajirao Universität in Baroda (Gujarat) und die Kala Academy in Panjim (Goa), studierten die komplexe Rhythmik der klassischen indischen Musik und des Kathaktanzes.
Ihr aktuelles Programm "Liquid Soul" speist sich aus den alten freien Jazz-Wurzeln Anklams, aus den rhythmisch-tänzerischen Elementen Gatschas, aus diesen östlichen (manchmal arabischen oder balkanischen, meist jedoch indischen) Einflüssen und aus den ästhetischen Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung der sogenannten Wasserstichorgeln ergeben. Dabei wurde im Jazzclub Neue Tonne schnell klar: Kaum ein anderer Perkussionist wäre wohl ohne Probleme in der Lage, all diese verschiedenen rhythmisch-metrischen Aspekte so souverän zusammenzuführen wie Uli Moritz.
Direkt der Indienreise entstammt das Stück "His Masters Voice" für Bambusflöte, Perkussion und Wasserstichorgel. Mit dieser Preziose fühlte das Trio der Atmosphäre nach, als Gatscha und Anklam auf dem Dach ihres indischen Gasthauses saßen und Flöte übten, wobei ein kleiner Hund unten auf der Straße den Tongeflechten bellend und jaulend Kontra bot. Dass mit der Komposition "Liquid Soul" jenes Stück nicht fehlen durfte, das dem Programm den Namen gab, verstand sich von selbst. Entwickelt aus einem Klangobjekt des Schweizer Bildhauers Martin Spühler, ist diese Wasserstichorgelorgel ein musikalisches und instrumentales Novum. Je zwei Kunststoffröhren, in die jeweils tonbildende, pfeifenkopfartige Gebilde eingesenkt sind, werden dabei ins Wasser getaucht und erzeugen je nach Stärke des Impulses schwingende Luftsäulen und damit auch verschiedene Obertöne. "Liquid Soul" erinnerte - erzwungen durch die Handhabung der Wasserstichorgel - an Strukturen der minimal music, an Wiederholung und Variation. In rhythmischer Koordination hielten Gatscha und Anklam humorvoll "Zwiesprache" und schufen ein dichtes harmonisches Geflecht. Mit dem Titel "Tell me what I don't know" ging Anklam mehrere Schritte auf den Jazz zu. Er blies das Bariton-Saxofon teils nonchalant, teils kräftig free und schuf so gemeinsam mit Gatschas Wasserstichorgel-Bass und der außerordentlich beweglichen Polyrhythmik Moritz'â eine Synthese all der verschiedenen Musizierwelten des Trios.

Mathias Bäumel


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