Unbekannte Schönheiten
Hessische Allgemeine 22.7.2006
Kultursommer Nordhessen mit Liquid Soul in der ausverkauften Vöhler Synagoge
VÖHL.
Klangwelten. Unbekannt, ungewöhnlich und unglaublich schön. Nein - das, worauf Beate Gatscha mit den Fingern tippt, und das so weich klingende Töne entstehen lässt, ist kein chinesischer Wok. Es ist ein Hang, ein Instrument aus der Schweiz. Aus den Rohren der Wasserstichorgel, die Gert Anklams rhythmisch immer und immer wieder in die Wassereimer stößt, kommen ebenfalls wundersame, harmonische und flötenartige Töne.
Wundersame Töne
Egal, was Anklam, Gatscha oder Perkussionist Ulrich Moritz am Mittwochabend in der Vöhler Synagoge in die Hand nahmen, sie machten daraus Musik. Und sie malten damit die fantasievollsten Bilder. Mal voller Ausdruck und Kraft wie beim Regentanz (mit einer beeindruckenden Beate Gatscha) oder humorvoll beim Elefantenwalzer (mit fast jungenhaftem Spaß von Anklam und Moritz.).
Da machte es Spaß, der Fantasie freien Lauf zu lassen und diese fremden Töne, vor allem aber die Instrumente, aus denen sie kamen, zu genießen. So gab es auf dieser Reise
durch die Klangwelten viel zu entdecken. Neugier machte sich breit und nach jedem Stück warteten die Zuhörer förmlich darauf, dass das Trio von „Liquid Soul" das Geheimnis lüftet, seine oft eigentümlich anmutenden Instrumente erklärt. Selten hat sich wohl in einer Veranstaltung des Nordhessischen Kultursommers ein Publikum so sehr gereckt und gestreckt, um zu sehen, was in jedem Winkel der Bühne vor sich geht.
Afrika, Asien und Amerika
Und doch braucht es keine Erklärung: Erklangen die ersten, meist sanften Töne, ließ die Musik keine Fragen offen. Sie nahm alle im Saal mit nach Afrika, Asien und Amerika. Auf der Suche nach neuen Klängen waren Anklam, Gat
scha und Moritz bereits viel unterwegs. „In fernen Ländern", sagt Anklam und setzt die chinesische Mundorgel an.
Während es beinahe so wirkt, als wolle Moritz sein Baßmarimbaphon aufräumen und die Fußschellen zur Seite räumen, streifte er die Instrumente aneinander und schon begann ein neues Stück. Jeder, der sich darauf einließ, nahm es wahr und war begeistert, von diesen Klängen - mal aus Luft und mal aus Wasser.
VON MAJA YÜCE
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