am 5.6.2002 im Rathaus Garbsen , Garbsener Kulturtage
Tanz zum Klang der Orgeln
Wie die Akustik oben unterm Rathausdach ist, hat noch niemand getestet. Aber Georg Traber hängt zwischen seinen Eschenstangen neun Meter über der Szenerie und genießt den Anblick von etwas, das er noch nie gesehen und
gehört hat: Musik aus Wasserstichorgeln. Die selbst gebauten Instrumente aus handelsüblichen PVC-Rohren, leicht von Gewicht, aber schwer zu spielen. Beate Gatscha und Gert Anklam aus Berlin sind Meister dieser Kunst. In jeder
Hand eine Pfeife, tauchen sie die Füße ihrer Instrumente in eine Wassertonne, ziehen sie wieder heraus. Je schneller sie tauchen und ziehen, desto höher die Töne. Drei kann jede Pfeife erzeugen. Die Musik klingt magisch, harmonisch, eine Kur für die Ohren. Der Rhythmus ist ruhig, aber spannungsgeladen. Der Dritte im Bunde: Ulrich Moritz. Seine Percussion aus aller Herren Länder zusammengetragen verstärkt die Klangskulpturen, trägt sie, verändert ihre Form und Farbe. Das Trio ist perfekt eingespielt, Augenkontakt ersetzt den Dirigentenstab. Das Trio ist vielseitig: Gert Anklam spielt Sopransaxophon, anderenorts auch das große Bariton-Saxophon, wie kein anderer: orientalisch mit afrikanisch-amerikanischem Einschlag, Weltmusik sagt er dazu. Die 32-jährige Beate Gatscha ist eine begnadete Tänzerin, hat sich in Berlin und Indien ausbilden lassen und die Kunst des Kathak populärer gemacht selten sieht man eine Europäerin sich so bewegen wie eine Shiva-Tänzerin. Die Rathaushalle, in die das Trio wegen des Sturms ausweichen musste, kam dieser Kunst sehr entgegen mit ihrer weich zeichnenden Akustik. Sie hätte freilich noch mehr Zuschauer aufnehmen können. Diejenigen, die dort waren, haben sich eintauchen lassen in eine zwar fremde, aber sehr harmonische Klangwelt. CDs des Trios sind noch im Kulturbüro erhältlich.
Markus Holz
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